Ev.-Luth. Kirchgemeinde Podelwitz-Wiederitzsch
Ev.-Luth. Kirchgemeinde Podelwitz-Wiederitzsch

Geschichte der Ev.-Luth. Kirche zu Wiederitzsch

Anfänge | Die Glocken | Der Altar


Die Anfänge des Ortes Wiederitzsch sind in einem kleinen rund angelegten Dorf slawischen Ursprungs zu suchen. Der Ortsname stammt wohl von dem Flüßchen Rietzschke (slaw. reczka) - denkbar wäre aber auch eine Herleitung von dem slawischen Familiennamen Witorad.

Mit der spätesten Ende des 11. Jahrhunderts einsetzenden Ostkolonisation und Christianisierung der slawischen Bevölkerung entstand in Wiederitzsch durch die Ansiedlung zugewanderter deutscher Bauern-flämischer Herkunft ein (zweites) Dorf in unmittelbarer Nähe des slawischen Rundlings - Groß-Wiederitzsch, wie es seit 1522 im Gegensatz zu Kleinwiederitzsch genannt wurde.
Mit den übrigen Höfen gleichsam in Reih und Glied liegen Pfarre, Kirche und der Friedhof von Groß-Wiederitzsch, so daß man vermuten kann, daß die ersten deutschen Siedler auch den Grundstein der Kirche gelegt haben, wohl zu Beginn des 12. Jahrhunderts.

Gewisse Indizien deuten darauf hin, daß das Kirchenschiff ursprünglich eine Holzkonstruktion war. 1877 fand man bei Umbauarbeiten in den Ecken des Schiffs Grundsteine, "die mit Pulver gesprengt werden mussten". Es liegt die Vermutung nahe, daß sie früher Eckfundamente einer Holzkonstruktion waren.





In die frühe Phase der Kirche ist eine der ältesten Glocken Sachsens zu datieren, unsere Heinrichsglocke. Der Gießer, ein gewisser Heinrich, Sohn des Dietrich, der in Braunschweig wirksam war, hat die Glocke um 1300 gegossen und mit der Inschrift HENRICVS FILIVS TIDERICI ME FECIT versehen. (Bitte schauen Sie auch auf die Sonderseiten der Glocken)

Noch ein weiteres Stück ist in diese Zeit zu datieren: ein Würfelkapitel aus Granit von 45 cm im Quadrat in byzantinischem Stil mit sogenannten Spiegeln, das aus dem 12. Jahrhundert stammt. Angelegt ist die Kirche als Chorturmkirche, die ursprünglich ein einheitlicher romanischer Bau war.

Der Romanik ist auch der Kämpfer am Triumphbogen zuzuordnen.

Das Sterngewölbe mit seinem floralen Fresko der Himmelswiese stammt aus gotischer Zeit, ebenso wie das 1994 wiederfreigelegte Sakramentshäuschens an der Nord-Seite des Chores.

 

Auf dem Sandsteinbloch war bis zur Renovation der Kirche 1913 in römischen Zahlzeichen die Jahreszahl 1455 erhaben gemeißelt. Zugleich mit dem Einbau des Sterngewölbes ist eine Konsolenbüste in die Nord-Ost-Ecke des Turmes gekommen. Ob der männliche Kopf den Patron oder den Baumeister darstellt, ist unklar. In diese Zeit sind neben einer 31 cm hohen Terrakotte eines Apostels mit einer Bibel und einer Axt in Händen, wohl der Apostel Matthäus oder Matthias, noch zwei im 1995 entdeckte Fresken im Chor zu datieren: an der Nordseite der Gekreuzigte und ihm gegenüber eine gekrönte weibliche Heiligengestalt auf der Andeutung der Himmelswiese, möglicherweise Maria als Himmelskönigin. Anfang des 16. Jhs sind schließlich zwei weitere Terrakotten geschaffen worden, die 1995 in einer zugemauerten Nische an der Nordseite des Kirchenschiffs gegenüber des ehemaligen, an der Südseite des Schiffs gelegenen Eingangs entdeckt wurden. Es ist denkbar, daß sie in der Reformationszeit im Zuge der Entfernung der an katholische Bräuche erinnernden Stücke in der Kirche gerettet worden sind. Es handelt sich um zwei gekrönte weibliche Heiligengestalten, von denen eine eine Bibel trägt, auf der zwei Augen liegen. Die Augen deuten auf Ottilie bzw. Odila hin, die Patronin des Elsaß war und 720 starb. Die zweite könnte deren Nichte Eugenie darstellen, eine Tochter des elsässischen Herzogs Adalbert.

Der Altar wurde von dem Hallenser Künstler Daniel Gruber geschnitzt und im Januar 1695 aufgestellt. Sein Mittelpunkt ist der in einer Glorie emporschwebende, auferstandene Jesus Christus.

1747 baute Hildebrandt eine Orgel in die Kirche, die aber 1902 völlig kaputt war. So spendete eine Gutsbesitzerin ein neues Instrument, von Ladegast aus Weißenfels, mit 2 Manualen und 12 Register, die 1995 durch eine Spende generalrepariert wurde. 1913 wurde ein Gemälde für die Kirche in Auftrag gegeben und mit dessen Ausführung Prof. Soltmann, Rektor der Leipziger Kunstakademie, betraut.

 

An der östlichen Chorwand hat er ein ca. 18 qm großes Bild geschaffen, das Maria mit dem Kind im Sommergarten zeigt. Als der Altar aus dem Museum für Stadtgeschichte in den 1960er Jahren in die Kirche zurückkam, ist es übertüncht worden.

Möge Ihnen unsere kleine alte Kirche einen Raum der Stille bieten zum Gebet, und zum Dank an den dreieinen Gott, dem allein Ehre sei von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

 

Über eine Spende zum Erhalt der Kirche freuen wir uns sehr, die noch viele Jahrzehnte als solche dienen soll.


Hier ist das seit 2006 existierende neue Gemeindesiegel. Es stellt den Apostel Matthias oder Matthäus mit dem Beil dar.